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Vorwort
Ingenieurpromotionen in Deutschland?
Neu aufkommende angelsächsische Promotionsformen
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Prof. Dr.-Ing. habil. Günter Kunze
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Es wird niemand abstreiten, dass der akademische Titel und die geläufige Berufsbezeichnung Diplom-Ingenieur ein deutsches Markenzeichen sind. In einer zurückliegenden Ausgabe habe ich deshalb über den europäischen Bologna-Prozess berichtet und festgestellt, dass sich unsere Pioniere für den technischen Fortschritt made in germany, wie Werner von Siemens, Karl Friedrich Benz u.a., sehr über solche politisch dominierten Vorhaben wundern würden. Nur gut, dass es Hochschulen gibt, die bei dem Dipl.-Ing. als ersten akademischen Grad und als Studienabschluss bleiben. Bachelor sowie Master wird dann nur auf Verlangen ausgereicht. Die Fakultät für Maschinenwesen der TU Dresden gehört dazu und ist damit befasst, Ihre Studienpläne in den verschiedenen Studiengängen daraufhin anzupassen.
Diesem Wandel will man auch die Promotionsverfahren in Hinsicht auf den zweiten akademischen Grad, dem Dr.-Ing. unterziehen. Als Verursacher eines befürchteten Qualitätsverlustes werden hier die neu aufkommenden angelsächsischen Promotionsformen gesehen. Sie sehen unabhängig von der in Deutschland bewährten Assistenzpromotion vor, ausgewählte Absolventen zum Doktortitel über so genannte Graduiertenkollegs oder Doktorandenstudiengänge zu führen.
Den Empfehlungen des Fakultätentages Maschinenbau und des VDMA ist das konsequente Festhalten an der Assistenzpromotion zu entnehmen. Die betreuenden Hochschullehrer von Promotionsverfahren bemängeln aber, dass durch die Politik der Forschungsförderung (DFG, Exzellenzinitiative u.a.) Handlungsdruck aufgebaut wird, angelsächsische Formen einzurichten. Eigene Erfahrungen zu diesem Thema geben zu erkennen, dass Graduiertenschulen eher in naturwissenschaftlichen Disziplinen von Vorteil sind. In klassischen Ingenieurzweigen werden durch solche reinen Schulformen die Promovierenden nur ungenügend in Industrieforschungsprojekte am Lehrstuhl eingebunden.
Grundsätzlich sollte das Ziel einer Promotion immer aus der Mischung von Weiterbildung, Interdisziplinarität, Lehrtätigkeit sowie praxisnaher akademischer Forschung bestehen. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn durch die Politik ein europäisches Modell entwickelt würde, was für die Promovenden und deren Betreuer verbesserte finanzielle Voraussetzungen für qualitativ hochwertige akademische Abschlüsse sichert. Schnelligkeit und Quantität darf nicht im Vordergrund stehen.
Herzlichst Ihr

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